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Scar Tissue

Zehn Tage war mein Freund zu Besuch. Zehn Tage ist viel passiert. Zuviel. Wir hätten uns fast getrennt. Es war schrecklich. Die erste Tage haben wir uns nur gestritten und ich war so gemein zu ihm. Ich bin einfach nicht aus meinem "Loch" rausgekommen. Der ganze Frust der letzten Wochen und der Hass, den wir uns in dem Moment des Streites entgegenbrachten, entlud sich in einem unüberlegten Moment, in dem er seine Sachen packte mit den Worten: "Du wirst mich nie wieder sehen!" und ich ihn bat, zu bleiben. Ich drohte mit Selbstmord, doch er sah nur noch rot und stürmte hinaus. Ich griff zu meinem Cutter Messer und machte zwei beherzte Schnitte (15 cm lang) in meinen Unterarm.

 

... leider viel zu tief. Viel zu unüberlegt. Viel zu explosiv. 

 

 Die Haut sprang auseinander, ich blutete unglaublich schnell und viel und konnte gar nicht glauben, was ich da gerade gemacht hat. Mein Freund ist augenblicklich stehen geblieben, zusammengebrochen, weinend. Ich suchte die verzweifelte Hilfe bei meinen Mitbewohnern.
Das wollte ich doch alles gar nicht. So war das nicht geplant. Ich wollte ihm doch nur Angst machen, damit er bleibt.
Nachts um 2 mussten wir den Notarztwagen holen, weil ich soviel Blut verloren hatte, dass mir schwarz vor Augen wurde. Die Wunde tat nicht weh. Ich war glücklich, als mein Freund meine Hand griff und mich besorgt anschaute, einfach, dass er geblieben war.

Die Nacht verbrachten wir im Krankenhaus. Acht Stiche waren nötig und eine Menge Kleber. "Ich war auf eine zerbrochene Flasche gefallen", lautete die offizielle Ausrede. Die Wahrheit wäre doch viel zu erschreckend. 

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Seit dem "Unfall" ist es vier Tage her. Ich wurde krankgeschrieben und hatte dadurch genug Zeit mit ihm zu reden. Er wusste erst nicht, wie er mit mir umgehen sollte; hielt mich für verrückt. Aber er merkte, dass DAS nicht meine Absicht war.
Ich selber hab das alles noch nicht verdaut. Ich habe Alpträume und den Drang, mich ändern zu müssen. Mit der Aktion habe ich mir selber unglaublich viel Angst eingejagt, weil ich die Schärfe des Cuttermessers und meine Explosivität unterschätzt habe. Ich darf die Hand jetzt eine Weile nicht mehr bewegen. Ich habe in den Muskel/Fettgewebe geschnitten und nur knapp die Aorta und die Bänder verfehlt. Glück im Unglück.
Die Geschichte mit der Flasche haben mein Freund und ich nun sooft erzählt, dass wir sie schon fast glauben. Der Gedanke an einen Unfall macht die Sache leichter für uns beide.

 

Um ehrlich zu sein, gönne ich mir den Schmerz und den Umstand, den ich mir da angetan habe. Dummheit muss bestraft werden. Ich kann froh sein, dass ich da eine Lüge drüberlegen konnte und allein was draus lerne. Ich habe endlich eine Quittung bekommen für meine Selbstzerstörung. Ich weiß zwar noch nicht genau, inwiefern das Einfluss auf meine Bulimie nimmt, aber die letzten zehn Tage habe ich nicht gebrochen und das ist ja schonmal gut.
Ich muss mich ändern, wenn ich meinen Freund behalten will und ich bin ernsthaft der Meinung, dass ich ohne ihn nicht leben will. Wenn er geht, gehe ich.
Er gibt mir einfach soviel Kraft zum Leben. Gestern Abend habe ich ganz beiläufig eine Frage gestellt, dessen Antwort mir fast die Tränen in die Augen steigen lies. Er will mich bei sich einziehen lassen, wenn ich wieder zurück bin ;_; Das ist etwas, auf das ich mich tierisch freue.
Leben in meinem Herzen.

 

PS: ich denke wieder die ganze Zeit drüber nach, dass es traurig ist, dass es erst zu sowas kommen musste. Die ganze Zeit hat keiner auch nur gefragt, wie es mir geht, als ich vor einigen Wochen noch total still war und immer verheult aussah. Mein Freund wollte alles immer weichreden und hat mich kaum ernst genommen. Es ist traurig, dass man sich erst soetwas antun muss, um ein bisschen beachtet und ernst genommen zu werden.
Menschen wollen gar nicht sehen, ob dein Herz und deine Seele bereits voller Narben ist. Sie glauben nur an das, was sie sehen. ;_;

PPS: (Disclaimer) Ich bin keine Cutterin. Ich habe keine Ritz-Sucht! Ich bin nicht Emo oder sonst was. Ich bin nur etwas blöd, besitze besaß ein Cutter-Messer & Skalpelle und wollte niemals Mitleid erhaschen durch solche Aktionen.

15.3.11 00:37


Selbstbild

Ego = Ich. Egozentrisch = Ich stehe im Mittelpunkt. Ich. Ich. Ich. Alles passiert, wegen mir. Alles MUSS wegen mir passieren. Menschen sollen verstehen, Menschen sollen nicht wegschauen, Menschen sollen akzeptieren, Menschen sollen da sein, wenn ich sie brauche. Rationales Denken ist hier nicht gefragt. Obwohl ich weiß, dass ich nicht die Sonne bin und alles um mich kreisen muss...
Mein Verhalten widert mich an. Ich bin so schrecklich abhängig von anderen Menschen. Das war ich schon immer. Ich bin ein Muttertöchterchen. Ich bin ein Nesthäkchen. Meine ganzen Probleme stützen sich auf meine Egomanie. Ich mache mir Feinde, weil ich erwarte, dass jeder mich versteht, dass jeder Rücksicht nimmt.
Früher konnte ich das ständige Bedürfnis nach Beachtung noch etwas mehr unterdrücken, als ich heute in der Lage dazu bin. Mein explosives Verhalten änderte sich vor 5 Jahren. Ich dachte, ich müsse mich für mein Verhalten bestrafen, ich dachte, ich könnte mich nur ändern, wenn ich alles externe verweigern würde. Ich war keiner Blicke mehr würdig. In meinem Kopf baute ich eine Welt, in der ich langsam verschwinden würde. Nie mehr konnte ich dann Menschen verletzen, abweisen, anlügen... Meine damalige beste Freundin stützte diese These, obwohl sie nichts von meinen Gedanken und Plänen wusste. Bei gutem Verhalten schenkte sie mir ein Stück ihrer Freundschaft. Verhielt ich mich unpassend, ignorierte sie mich. Das passte nicht ganz in mein egozentrisches Weltbild. Ich musste das in Ordnung bringen. Mein Kontrollverhalten kompensierte ich durch die Nahrungsaufnahme, die ich damals weitestgehend unterdrückte.
Ich war sehr verletzlich und es passierten eine Menge Dinge, die mich für immer veränderten.

Seit meiner Geburt hatte ich Untergewicht. Ich war immer Spätentwickelt.

Sechste Klasse. Umkleideraum. Die Mädchen zeigten ihre neuen BHs und String Tangas. Ich hatte noch keine Verwendung für diese Art von Unterwäsche. Die Mädchen beäugten mich skeptisch. Die Jungs ignorierten mich.
Achte Klasse. Umkleideraum. Die meisten der Mädchen tragen Make-up und haben einen festen Freund und erste sexuelle Erfahrungen. Ich sehe, dass sich ihre Körper verändert haben. Ihre Hüften und Brüste sehen weiblich aus. Sie haben Kurven, mache halten sogar Diäten, wie die erwachsenen Frauen. Ich trage Körbchengröße AA. Nichts, was die Träger heben könnten. Meine Hüften passten immernoch in die Kinderjeans.


Manchmal glaube ich, dass ich vielleicht auch so ein Opfer der Medien war. Vielleicht lies ich mich unterbewusst von den Magermodels und den Diätratgebern in den Frauenzeitschriften beeinflussen. Es gab bestimmt einen Punkt, an dem ich mich „erwachsen“ Gefühlt hatte, als ich das erste mal einen Blick auf die Kalorientabelle geworfen hatte und dann entschied, dass Gummibärchen nicht länger in meiner Wochenendknabberschale anzutreffen sein würden. Wenn ich genauer drüber nachdenke habe ich immer noch das Bedürfnis, mich mit Frauen zu identifizieren und ihr Verhalten zu imitieren.
Heute spielen wir Erwachsen sein. Einfach mal einen Blick in Mamas Schmuckschatulle werfen und ihre Schminke benutzen. Wenn ich vorgebe, mich für Mode zu interessieren halten mich viele bestimmt für älter, weil das ein Erwachsenen-Thema ist.


Ich erinnere mich an eine Klassenfahrt. Meine beste Freundin und einige andere Mädchen und ich teilten einen Raum. Am Abend gingen die „coolen“ Mädchen rauchen, ich hielt mich fern. Meine beste Freundin stand bei ihnen und sie redeten über mich. Ich sei noch viel zu kindlich, viel zu hässlich. Abends, als ich im Bett lag, fielen die Worte: „Wie kann deine Mutter dich nur lieben? Du bist doch ein Monster! Niemand liebt dich!“ Ich höre meine Freundin noch heute mit ihnen zusammen lachen. Sie wollte cool sein. Ich schwieg.
Ich frage mich, wieso ich so sensibel bin? Son scheiß passiert. Niemand hatte es leicht in der Kindheit und es gibt immer Kinder, die andere runtermachen und es gibt immer 'beste Freundinnen', die einen sitzen lassen. Ich bin darüber hinweg.

Ich weiß schließlich, dass ich nicht allein bin. Es gibt bestimmt mehr Außenseiter, als Cliquen und Gangs auf dieser Welt.


Ich bin wieder ein Jahr älter. Ich sehe kein bisschen aus wie 20. Ich sehe kein bisschen aus wie 18. Ich behaupte, ich sei 15. Glaubhafter für mich, glaubhafter für die Person, die mich fragt. Muss wohl ne Entwicklungsstörung in meinem Gehirn sein. Vielleicht habe ich als Baby zu wenig Sauerstoff abbekommen, deswegen herrscht dieses Chaos in meinem Kopf. Deswegen ist es mir nicht möglich, diese rationalen Schlussfolgerungen in meinen Kopf zu bekommen bzw. mich danach zu verhalten.

Genau wie mit fünf bin ich beleidigt, wenn man mich missachtet. Ich verlange zuviel Aufmerksamkeit von anderen Menschen. Ich bin darauf angewiesen, ihre Meinung zu wissen. „Gefällt euch meine Haarfarbe oder soll ich sie mir doch anders färben?“ Ich fühle mich verletzt und weine, wenn meine Mitbewohner etwas ohne mich machen, wenn sie weggehen, OBWOHL sie wissen, dass ich arbeiten muss und nach Feierabend bestimmt mitkommen könnte. Ich sitze hier, in der Mitte meiner Welt, wie auf einer Bühne auf der ich mir selber etwas vorspiele. Da weine ich über mich und lache gleichzeitig, wie dumm ich doch bin und dass ich es mir doch nicht so schwer machen muss.


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1.3.11 21:00


Eine Liste mit Dingen...

...die die letzten Tage bei mir schief gelaufen sind:

- kein Internet. Als ich einmal einen Eintrag hier verfassen wollte ist der Computer abgestürzt
- Meine Großmutter ist gestorben und ich kann nicht nur Beerdigung, die heute stattfindet, weil ich kein frei bekomme. Es ist nicht so, dass ich UNBEDINGT zur Beerdigung will und meine Eltern meinten auch, ich sollte mir das Geld für den Flug lieber sparen, aber ich habe das noch gar nicht gecheckt, dass sie tot ist. Ich kann es einfach nicht fassen. Mich plagen Alpträume seit ich es erfahren habe und die Frage, wieso ich nicht tagelang heule. Ich wäre am Grab bestimmt heulend zusammengebrochen. Aber nun kann ich nicht hingehen und mit meinen Verwandten sprechen...
- genau deswegen kotzt mich meine Arbeit total an. Mein Chef ist der totale Idiot. Ich bin ebenfalls durch eine Prüfung gefallen. Mein Chef hat die ganze Zeit hinter mir gestanden und beobachtet, wie ich arbeite und meinte, ich müsste dringend lernen, die Situation unter Kontrolle zu bringen, wenn ich mit Problemkindern zusammenarbeite. Ich muss sagen, dass dies echt eine Ausnahmesituation war und ich kein bisschen vorbereitet war, weil natürlich alles wieder drunter und drüber lief und keiner irgendeine Ahnung hatte, was zu tun war. Ich ärgere mich einfach, dass ich mein allerbestes gegeben hatte und mein Chef mich danach so kritisierte. Zuerst dachte ich ja, dass ich damit umgehen kann, weil ich ja weiß, dass ich Probleme mit der Sprache habe und ich manchmal ein bisschen überfordert bin, wenn ich vor neuen Situationen stehe. Als ich dann aber in meinem Zimmer war, habe ich nur noch heulen können. Den Rest des Tages habe ich mich zugeschüttet und mir gewünscht, ein bisschen Kokain hier zu haben. Ich habe ja immernoch meine Flasche voll Codein... wenigstens etwas...

- Ich werde meinen Geburtstag diese Woche ohne meinen Freund feiern. Er meinte eigentlich, dass er am 18. Februar her kommt und wir zusammen meinen Geburtstag feiern... tja... jetzt kommt er gar nicht, weil seine Arbeit das nicht gebacken kriegt in der Bürokratie. Dabei brauche ich ihn momentan so sehr. Ich sehne mich einfach nach Geborgenheit und körperliche Zuwendung. Ich spüre dauernd diese Spannungen zwischen einiger meiner Mitbewohner/Kollegen und merke, wie sich jeder irgendwie verliebt. Zurzeit muss der Arm meiner Mitbewohnerin dran glauben an den ich mich öfter mal kuschle um mal ein bisschen körperliche Wärme zu spüren.

- Mia ahoi. Ich hatte eigentlich ein positives Gefühl, als ich 2 Tage lang nicht gekotzt hatte, doch dann MUSSTE ich mich nach einem Sandwich einfach übergeben, weil mein Kopf mir sagte, dass es viel zu viel zu viel zu viel war. Ich konnte diese Gedanken diesesmal einfach nicht unterdrücken. Ich hab mich nach dem kotzen irgendwie wieder so schön taub gefühlt und hatte wenigstens für ein paar Minuten Ablenkung. Ich hasse mich dafür und dass ich so willensschwach bin.

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...die die letzten Tage bei mir gut gelaufen sind:

- ich habe endlich erkannt, dass ich die tollsten Mitbewohner der Welt habe und ich kann mich glücklicherweise nicht mehr als einsamste Person der Welt fühlen. Ich weiß, wenn ich reden will, ist bestimmt immer einer da. Bzw. manchmal ist es auch einfach nur toll, den anderen zuzuhören, weil es für Ablenkung sorgt. Mein Heimweh ist fast wieder vollkommen weg (naja, wenn diese blöde Arbeit nicht wäre)
- Ich ahbe die heilende Wirkung von Musik wiederentdeckt. Sobald ich allein in meinem Zimmer bin stöpsle ich meinen iPod ins Ohr und träume mich weg. Manchmal ist es das perfekte Ventil um zu heulen, manchmal um anderen Träumen nachzugehen. Außerdem benehme ich mich teilweise wieder wie eine 12-jährige, wenn ich ein neues Album des Künstlers in der Hand halte und es mir von meinem hart erarbeiteten Geld kaufe und total aufgeregt bin, reinzuhören


@Freya: Danke für deinen Rat. Ich glaube auch, dass ich mich einfach zwingen muss, meine alten Hobbys wieder anzufangen, auch wenn sie meistens nur in Frustration enden.

Nein, momentan gibt es keine Möglichkeit in eine Klinik zu gehen. Ich arbeite schon eine Weile im Ausland auf Freiwilligenbasis und das ist sehr kompliziert geregelt mit der Krankenkasse. Außerdem werde ich mich hier eh keinen Therapeuten anvertrauen, weil ich einfach nicht genug Sprachkenntnisse habe um das auszudrücken, was ich sagen will.

 

@Wolfsauge: wird das von der Krankenkasse übernommen, auch wenn man noch keine ärztliche Diagnose hat?! Oder schreibt der Psychotherapeut/Psychologe(bäh!) den Befund und danach wird entschieden?

22.2.11 18:29


Krank. einfach nur krank.

Hier mein privater Tagebucheintrag von gestern Morgen (etwas weniger feingeschliffen, wie ich es normalerweise auf diesem Blog schreiben würde):

"Mir ist gerade gar nicht bewusst, was ich gerade alles kaputt mache. Es ist kurz vor halb neun morgens und ich bin vor einer halben Stunde aufgewacht. Gleich die ersten Gedanken des Tages machen mich leicht depressiv und nachdenklich. Die Nacht hat nicht gerade für Erholung gesorgt. Gestern Nacht gegen ein Uhr hat mich mein Freund angerufen. Betrunken kam er gerade aus der Disko und hat viel erzählt. Darüber, dass er sich gerade frei fühlt und doch nicht weiß, ob er es packt mit der neuen Arbeit. Ich habe die ganze Zeit still in mich hinein geweint.

Irgendwann waren wir wieder mal bei dem Thema Selbstmord. Es beängstigt mich ein wenig, wenn ich denke, wie kurz davor ich die letzten 48 Stunden war. Nur ein falsches Wort und ich hätte es wirklich gemacht. Ich hatte einen Plan. Gerade ist es mir so sehr egal, was ich damit anrichte. Wirklich. Ich will das alles nicht mehr spüren. Es macht mir das Leben zum Alptraum. Es soll endlich aufhören. Ich merke, wie ich immer mehr in mir selbst versinke und es mir schwer fällt, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Ich spüre kaum noch die Liebe, die mich damals so fröhlich gemacht hat. Und dieser Schwund ist deutlicher zu spüren als ein Schnitt in die Haut. Ich sehne mich nach einer Umarmung und bekomme stattdessen wörtliche Schläge ins Gesicht.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich soviel aufgeben werde, dass ich soviel einfach wegeben werde. Ich habe mich ganz und gar weggegeben. Meine Hobbys sind nicht mehr existent. Nichts macht mehr Spaß, außer der Schmerz und das Leid. Ich weiß, ich klinge gerade sehr „Emomäßig“, wie Sophie es gesagt hätte. Um ehrlich zu sein will ich mich gar nicht Selbstbemitleiden. Was habe ich denn davon?

Ich habe das Gefühl, dass ich ihn verliere. Ich habe sein T-Shirt gestern von meinem Kissen entfernt und in die Ecke geworfen. Ich habe seine Fotos von der Wand gerissen. Ich weiß, dass ich ihn liebe bzw. einst liebte für etwas, aber das Gefühl ist genauso verschwunden wie alles andere auch. Ich erkenne mich nicht mehr wieder. Alles ist anders geworden. Ich vermisse meine Freude und meine Begeisterung an gewissen Dingen. Früher habe ich so gerne gezeichnet und Videos gemacht und -geschnitten. Ich war immer voller Ideen und hab es kaum erwarten können, sie umzusetzen und jetzt? Jetzt freue ich mich über Dinge, die nichts bedeuten. Ich sage es meinem Freund zu oft, dass ich es verstehen würde, wenn er sich eine andere suchen würde. Mir ist die Gefahr einfach zu bewusst. Ich bin so anders geworden, ich bin so schrecklich geworden und so hat er mich nicht  kennen gelernt. Er sagt mir immer, dass meine Zweifel stumpfsinnig sind und total surreal. Finde ich überhaupt nicht. Er ist ein hübscher Mann und er hatte schon so viele One-Night-Stands und feste Freuninnen und ich weiß, dass es da draußen so viele normale Mädchen gibt, mit denen er es soviel leichter hätte. Er ekelt sich vor meiner Bulimie, er würde mich am liebsten erwürgen, wenn er meine Narben sieht und hat langsam die Nase voll mich dauernd aus meinem Loch rauszuholen.

Wieso habe ich mir nur dieses Gift gespritzt? Es frisst mich innerlich auf, dass ich nur das Negative sehen kann. Ich kann weder mir noch jemanden anderes vertrauen.

Ich will endlich wieder glücklich sein. Ich will eine gute Zukunft sehen. Es fällt mir so schwer. Ich denke ungern an die Zukunft, weil sie voll von Tränen sein wird, wenn ich mich nicht ändere. Ich kann unmöglich wieder zu meinen Eltern ziehen. Das werde ich nicht aushalten. Wieder zurück in dieses Horrorzimmer. Zurück ins alte unglückliche Leben. Ich kann einfach keine Zukunft mit meinem Freund planen. Ich erwarte jeden Moment die Nachricht, dass er die Schnautze von mir voll hat. Früher habe ich immer gesagt: "Wer weiß, wie lange es hält, aber ich genieße den Moment, den ich mit ihm habe!" Aber da war alles noch anders. Da wra ich noch in Deutschland. Da kannte er mich noch gar nicht mit all meinen Problemen. Dass er bis jetzt noch nicht gegangen ist, hat vermutlich etwas zu bedeuten. Aber mit jedem Tag wir das Seil, an dem ich hänge, immer dünner und es wird reißen. Ich bereite mich auf den Fall vor, weil ich gerade zu schwach bin, um hochzuklettern.
Dass irgendwas anders ist, merke ich daran, dass ich meiner Arbeit noch nachgehen kann und auch Sport mache. Ich bekomme meinen Arsch hoch und zeige den anderen Leuten nicht, was in mir vorgeht. Ich werde langsam wirklich verrückt habe ich das Gefühl. ich habe einfach keinen Plan mehr, was mit mir abgeht.

Ich kann ihn doch nicht einfach so gehen lassen. Wieso schmeiße ich das alles in den Dreck? Kann ich die Zeit nicht einfach anhalten? Ich will warten, bis es mir besser geht und dann weitermachen, bevor alles zu spät ist. Ich weiß, dass meine Zweifel nicht alle in einem Tag verschwinden können. Ich darf nicht aufgeben. Ich weiß, dass mein Freund mein Lebenselexier ist und nur weil er mir momentan kein Leben einhaucht heißt es nicht, dass es nie wieder klappen kann. Ich weiß sehr wohl, dass er als einzige Person mich da raus holen kann. Er hat die Leiter."

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Nachtrag:

Gestern Mittag hatte ich... keine Ahnung, wie man es nennt. Ich konnte mich einfach nicht mehr beruhigen. Eine dreiviertelstunde habe ich in der Besenkammer gesessen und geschriien, hyperventiliert, am ganzen Körper gezittert. Ich wollte mich verletzen und habe mir nur in die Hand beißen können. Jetzt im Nachhinein lösen die Gedanken, die ich da hatte, nicht mehr so krasse Gefühle in mir aus. Ich weiß einfach nicht mehr, was mit mir los ist. Wäre ich in Deutschland, würde ich zum Arzt gehen. In letzter Zeit hatte ich das einfach zu oft. Dazu kommen ja noch die Alpträume und dass ich das erste mal in meinem Leben ins Bett gepinkelt habe. Ich entwickle mich in ein infantiles Stadium zurück.  -.- Natürlich schäme ich mich dafür.
Ich bin mir natürlich bewusst, dass ich eben keinen großen Grund habe, mich schlecht zu fühlen. Ich sollte die Augen aufmachen und froh sein über die guten Dinge. Früher, also vor sechs oder sieben Jahren wäre es mir leichter gefallen, als jetzt. Ich weiß selber nicht, wieso sich die Wolken so anhäufen. Wieso ich so sehr unter der Einsamkeit leide und nicht weiß, wo ich anfangen soll, mein Leben aufzuräumen. Ich frage mich langsam, ob es was psychisches ist. Irgendwie wünsche ich mir sogar, dass es was psychisches ist, denn dann müsste ich nicht nach dem Grund suchen, warum ich nichts auf die Reihe bekomme.
Ich frage mich dauernd, wieso soviele Menschen in meinem Alter und Jünger schon eine Diagnose haben (ich rede jetzt nicht von einer ES - das ist irgendwann offensichtlich. Und wie man unter diesen Umständen dann bei einer Psychotante landet, weiß ich -.-). Sind die einfach zum Arzt gegangen und sagten dem dann: "Oh, hey... ich hab übrigens Suizidgedanken und weine grundlos?" oder so ähnlich.
Vor einem halben Jahr bin ich wegen einer Panikattacke im Krankenhaus gelandet. Ich hatte den Abend zuvor meinen Bauch mit Schnitten masakriert (das war das erste mal, dass ich wieder so einen Ausfall hatte) und eine halbe Flasche Vodka ausgetrunken. Ich hatte die ganze Woche über pflänzliche Diätpillen (aus dem Internet) genommen und war am nächsten Tag am Bahnhof die Treppe runtergefallen, hab hyperventiliert, mein Puls hat gerast, meine Muskeln haben sich verkrampft und ich habe sozusagen halluziniert. Okay, das ist aber wirklich eine längere Geschichte. Jedenfalls hat man mich dann ins Krankenhaus gebracht und als ich mich beruhigt hatte, habe ich der Ärztin das gesagt und sie hat nur die Schultern gezuckt und meinte so: "Naja, jedem geht's mal scheiße!"
Also kann ich eigentlich gar nicht krank sein, wenn das schon als normal abgestempelt wird. Aber ganz ehrlich: So will ich nicht leben. Es gibt Menschen, die viel lachen, die alles nicht so ernst nehmen und die einfach gut gelaunt und positiv sind. Ich will das auch...

5.2.11 00:30


Spitze Regentropfen

Alle Menschen scheinen mich verlassen zu haben. Ich ziehe mich immer mehr in mich zurück. Die Menschen, die sagen, dass sie mich lieben, sind zweidimensional geworden, genau wie meine Gefühle. Traurigkeit und Selbsthass sind zur Grundstimmung geworden. Ich fühle mich gerade sehr wenig mit dem Leben verbunden und Kotzen scheint das einzige zu sein, das sich echt anfühlt. Das einzige, was im Endeffekt geblieben ist. Und jeden Tag weine ich und sobald ich übers Internet versuche, etwas Luft rauszulassen merke ich, dass alles nur noch schlimmer wird, weil ich über mich selbst jammere und es geschrieben zu sehen, lässt mich erst realisieren, was für'n egoistsiches, egozentrisches, zickiges, sensibes, unreifes Kind ich eigentlich bin. Ich drehe mich im Kreis mit diesen Gedanken.

Diese Woche habe ich quasi 'Fortbildung' (na gut, morgen habe ich Frei und werde ins Fitnessstudio gehen - Sport lenkt mich sehr gut ab) und heute haben wir sehr viel reflektiert, Verbesserungsvorschläge machen können und ein paar teamfördernde Spiele gelernt und ausprobiert. War schon sehr witzig.

 

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Die Jungs in meiner WG machen es mir nicht unbedingt leicht. Früher dachte ich immer, die seien so zu allen weiblichen Wesen hier, aber seitdem die neuen Mitbewohner hier eingezogen sind merke ich, dass es wohl doch an mir liegt. Es ist nicht so tragisch, wie ihr es euch jetzt denkt. Ich habe es mir nicht ausgesucht, mit wem ich zusammenwohne und es sind zwei von tausend Jungs, denen ich jemals begegnet bin - so what?! Aber wenn ich's mir so richtig überlege hat mich noch nie ein Junge leiden können... (abgesehen von meinem Freund, bei dem es mich immer noch verwundert, dass er mich damals angesprochen hat. So hübsche Jungs wie er reden nicht mit Mädchen wie mir - aber anscheinend war das son Fall von modernen Märchen)
Bei den Mädchen war das eher etwas durchwachsen: Da ist der Umgang ganz anders und manche Mädchen lassen es einem nicht unbedingt die Antipathie spüren.
Ich schätze, das wird ein hartes Jahr für mich werden und ich hoffe, dass ich bald den Kloß in meinem Hals runterschlucken kann und mich damit abfinde, dass es okay ist, wie es ist. Ich kann das wirklich schwer beschreiben. Und mein Freund sagt mir auch immer wieder, dass er mir zuhören wird, aber ich habe immer das Gefühl, dass ich ihm seine Zeit stehle, wenn ich ihm das Ohr volljammere und ihm nur Negatives zu erzählen habe. Ich bin machmal so stark mit mir selbst beschäftigt, dass ich nicht registriere, was er mir sagt und wie er versucht, es besser zu machen und dann regt er sich immer drüber auf, dass ich so engstirnig/stur bin. Und ich rege mich wiederrum auf und werfe ihm vor, dass er ja gar nicht weiß, wie's mir gerade geht und gar keine Ahnung hat. Und plumps = Streit. Und dass trägt noch mehr zu meiner negativen Stimmung bei.


An Tagen wie diesen hält mich eigentlich wenig im Leben. Würde ich meinen Freund nicht so überirdisch lieben, würde ich dem ganzen Scheiß endlich ein Ende setzen. Ich weiß, es sagt sich leicht, aber ich verlasse mich da ganz auf meine explosive Art und meiner Reinsteigerungskunst, wenn ich es wirklich ernst meinen sollte. Momentan habe ich einfach nur Lust, mich zu ritzen - also im Austausch zum kotzen.
Ich habe ein stilles Plätzchen gefunden für die nächsten Tage an dem ich mich nachts ungestört auslassen kann und deswegen ist es sehr angenehm, mich nach dem Essen zu übergeben. Ganz ohne Druck. Hatte ich nicht einmal ein Ziel gehabt?




Ich will so nicht sein. Ich will das Leben lieben können. Ich will lachen. Ich will nicht mehr kotzen müssen um das Leben zu spüren. Ich will stark genug sein, dass es mir egal ist, dass die Jungs über ich lachen, mich ignorieren und alles in den Dreck ziehen, was ich sage. Ich will rausgehen und etwas erleben. Ich will mich nicht mehr hassen müssen und ich will endlich diese Wolken aus meinen Gedanken vertreiben. Für immer. Ich weiß schließlich nie, wann sie wieder aufziehen und ihre spitzen Regentropfen auf mich abschießen, bis ich blutend am Boden liege...
Wieso ist es nur so schwer, sich zu ändern? Wo soll ich anfangen, meine ganze Gedankenstruktur zu ändern? Wie wird man optimistischer (keine Chance - kleie Dinge schätzen zu lernen und sowas = Alles schon probiert. Wirkt auch, aber einen Optimisten macht das noch lange nicht aus mir). Hat jemand einen Tipp?

Was ich so schreibe scheint die wenigsten zu interessieren. Ich habe meinen Blog dementsprechend angepasst. Gehen sie weiter >> Es gibt hier nichts zu sehen

25.1.11 01:04


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